Island auf einen Blick:
40 Fakten und Zahlen rund um Land, Sprache, Siedlungsgeschichte, Lebenshaltungskosten, Gehalt und mehr

Njardvík, Iceland during a winter sunset


Dieser Artikel ist der erste einer dreiteiligen Serie, die einen umfassenden Einblick in dieses großartige Land geben soll, welches ich als Zuhause bezeichnen darf. 
Um das Ganze leichter verdaulich zu gestalten (und um meinen inneren "Monk" glücklich zu machen) habe ich alle Fakten nach Themen geordnet und musste das Ganze dann nochmal in drei Artikel aufteilen. 
Andernfalls gäbe es jetzt nämlich weit über 10.000 Wörter zu lesen und dafür hat nun wirklich niemand Zeit. :) :)

Island ist ein erstaunliches Land. In den sechs Jahren, die ich jetzt hier lebe, habe ich gesehen, wie mächtige Wasserfälle komplett zu Eis erstarrten, Berge in riesigen Nebelbänken versunken und wieder daraus emporgestiegen sind, massive Wellen sich in noch massiveren Stürmen auftürmten. Die Wintersonnenaufgänge und -untergänge sind magisch, die Mitternachtssonne ebenso. Island ist ein Land von aussergewöhnlicher Schönheit, mit seinen schwimmenden Eisbergen, beeindruckenden schwarzen Sandstränden, der Invasion blühender Lupinen jeden Sommer und den fast ebenso zahlreichen Papageientauchern, die von riesigen Klippen das Meer überblicken.

Ich konnte unzählige Male das Nordlicht tanzen sehen und habe noch seltenere Spektakel bezeugt, wie schillernde Perlmuttwolken (auch als polare Stratosphärenwolken bekannt) oder, mein Favorit, einen aktiven Vulkanausbruch, den ich nicht nur direkt von unserem Balkon aus sehen kann sondern auch tatsächlich anzufassen wagte. (Ich habe zumindest die erstarrte Lava berührt :D.) Ich muss das gar nicht alles bis ins Detail erzählen, da die Insel im hohen Norden genau dafür bekannt ist: ihre unglaubliche Schönheit und rauhe Einzigartigkeit. Aber Island ist so viel mehr als das. Es hat eine interessante Geschichte, die Sprache ist faszinierend, es gibt so einige verrückte Mythen und Bräuche. Die Menschen sind im positivsten Sinne schrullig, die Politik ist progressiv. Über all dies möchte ich in meiner "kleinen" dreiteiligen Serie sprechen:

Statistiken (und Mythen) über Island, von denen du vielleicht gehört hast - wahrscheinlich aber nicht.

Kapitel 1: Island auf einen Blick // Kapitel 2: Isländische Politik & Umwelt (kommt bald) // Kapitel 3: Island: (witzige) Fakten (kommt bald)

Iceland Photo Collage with Hallgrimskirkja in winter, the volcanic eruption at Geldingadalur, blocks of ice at Jökulsárlón and a sunrise at Dyrhólaey

      1. Island ist dünn besiedelt. Stand April 2021 leben auf dieser Insel rund 343,00 Menschen.
        - Von diesen wohnen nahezu 65% in und um Reykjavik, der nördlichsten Hauptstadt eines souveränen Staates der Welt.

      2. Das Durchschnittsalter liegt bei 36 Jahren und die Lebenserwartung bei 83 Jahren.

      3. Es gibt so einige Isländer, die außerhalb Islands leben - 88.000 Menschen isländischer Abstammung residieren in Kanada und mehr als 40.000 in den Vereinigten Staaten.

      4. Das Rot, Weiß und Blau in der isländischen Flagge steht für Vulkanfeuer, Schnee / Eis und den Ozean.

      5. Das Land hat eine Größe von 40.000 Quadratmeilen, was ungefähr der Größe Portugals entspricht. Es ist die 18. größte Insel der Welt und die zweitgrößte in Europa.

      6. 80% des Landes sind unbewohnt, was es zum am dünnsten besiedelten Land Europas macht.

      7. 12.000 km2 der Landmasse besteht aus Gletschern (das macht sage und schreibe 11% des Landes aus). Der größte von ihnen - nicht nur in Island, sondern in ganz Europa - ist der Vatnajökull, welcher ungefähr dreimal so groß wie Luxemburg ist und größer als alle europäischen Gletscher zusammen.

      8. Weitere Superlativen:
        - Die Latrabjarg-Klippen in den Westfjorden sind die höchsten Vogelklippen in Europa.
        - Deildartunguhver ist die mächtigste heiße Quelle in ganz Europa.
        - Der Dettifoss-Wasserfall im Norden des Landes ist der mächtigste Wasserfall in Europa.

      9. Übrigens gibt es im ganzen Land so unzählige Wasserfälle, dass viele von ihnen nicht einmal einen Namen haben.

      10. Das englische Wort "geyser" leitet sich von „Geysir“ ab, dem Geysir, der auf dem Golden Circle besichtigt werden kann. Nicht zu verwechseln mit dem alle 5-7 Minuten hochgehenden "Strokkur". Geysir selbst ist tatsächlich seit einigen Jahren inaktiv. (Übrigens. Geysir stammt von dem altnordischen Verb geysa ("sprudeln") ab. 

Northern Lights in Iceland, Aurora Borealis at a lighthouse on Reykjanes

      1. Island ist einer der wenigen Orte auf der Welt, an denen das Nordlicht bestaunt werden kann. Von Anfang September bis Ende März sind die grünen Lichter der Aurora Borealis bei klarem Himmel gut zu beobachten. Hinter der Entstehung der Lichter steckt eine recht komplexe wissenschaftliche Erklärung. Die Kurzfassung lautet, dass Sonnenpartikel mit der Atmosphäre im Magnetfeld unseres Planeten interagieren. Die Möglichkeit von Nordlichtern in den Vorhersagen wird durch den sogenannten KP-Index ausgedrückt. Je höher der Index, desto größer sind die Chancen, welche zu sehen. (-> Hier geht's zu meinem Artikel darüber, wie du das Nordlicht am besten sehen / jagen kannst // coming soon)

      2. Es gibt jedoch noch erstaunlichere Dinge am Himmel Islands zu bewundern. Ich hatte zum Beispiel das Glück, zu erleben, was Isländer Glitský („glitzernde Wolke“) nennen - auch bekannt als polare Stratosphärwolken. Die schillernden Wolken sind noch seltener als Nordlichter und kommen nur unter ganz speziellen Bedingungen zustande. Sie bilden sich in der Stratosphäre, ca. 15 - 25 km über dem Meeresspiegel. In Island gibt es ausserdem Regenbögen, "Sonnensäulen", Mitternachtssonne und sogenannte Sonnenhöfe zu sehen.

      3. Das Tageslicht-Dilemma. Es ist ausreichend bekannt: Island hat im Winter sehr kurze Tage und im Sommer die Mitternachtssonne. Der kürzeste Tag des Jahres ist die Wintersonnenwende am 21. Dezember - die Sonne geht um 11:30 Uhr auf und geht gegen 15:30 Uhr unter, sodass wie gerade mal vier Stunden Licht haben. Zugegebenermaßen sind das recht dunkle Tage, aber Abend- und Morgendämmerung in diesen Zeiten sind atemberaubend und ziehen sich über mehrere Stunden. Der längste Tag ist der 21. Juni, an dem die Sonne vor drei Uhr morgens aufgeht und kurz nach Mitternacht zurück hinter die Berge sinkt. Obwohl sich die Sonne technisch dann hinter dem Horizont versteckt, ist es weiterhin hell. Es sind im Grunde drei Stunden eines wahnsinnigen Sonnenuntergangs / Sonnenaufgangs, die einander die Hand geben.

      4. Die Temperaturen sind viel milder als man denkt, mit Durchschnittstemperaturen um -5°C im Januar und +15°C im Juli. Wir bekommen auch einige ziemlich kalte (-16°C) und angenehm warme (+21°C) Ausnahmen. Die wärmste Jahreszeit ist Ende Juni bis Mitte August, die kältesten Monate sind Januar und Februar.

      5. Island ist das aktivste Vulkangebiet der Welt, mit einem Ausbruch ca. alle 4-5 Jahre. Das Land hat rund 130 Vulkane, von denen mindestens 30 aktiv sind. 11.000 km2 der Insel sind mit erstarrter Lava bedeckt. Isländer sind an Erdbeben und Eruptionen gewöhnt und gehen ziemlich entspannt damit um. Im Laufe der Geschichte des Landes gab es allerdings auch einige verheerende Ausbrüche. 1783 tötete der Laki-Ausbruch über 20% der gesamten Bevölkerung. Island ist übrigens Heimat des einzigen Vulkans auf dem Planeten, in welchen man tatsächlich HINEIN gehen kann! Ein spezieller Lift bringt Besucher in die Tiefen von Thrihnukagigur, wo erstarrte Magmakammern mitten im Herzen des Vulkans bestaunt werden können. Und während ich diese Zeilen tippe, gibt es im Geldigadalur einen anhaltenden Ausbruch, den ich von meinem Balkon aus sehen kann und den ich inzwischen sechs Mal aus nächster Nähe besucht habe. (Hier geht's zu meinem Artikel / Fotosammlung zum Vulkanausbruch. // coming soon)

      6. Island ist einer von nur zwei Orten auf dem Planeten, an welchen das Zusammentreffen zweier tektonischer Platten über der Oberfläche zu sehen ist und der einzige Ort, an dem dazwischen geschnorchelt werden kann. Im Þingvellir-Nationalpark, wo sich früher das Wikingerparlament traf, liegt die Silfra-Spalte, in welcher Taucher und Schnorchler wortwörtlich zwischen den Kontinenten umher schwimmen. Das Land liegt auf der eurasischen und nordamerikanischen Platte, die langsam auseinander driften und die Erde regelmäßig beben lassen. Geologisch gesehen gehört Island also zu Europa und Amerika.

The different images from the volcanic eruption at Geldingadalur in Iceland

      1. Die Insel am Rande zur Arktis ist gerade mal 25 Millionen Jahre „jung“ und damit das jüngste Land (in Bezug auf neue Landmasse) auf diesem Planeten. Es wurden hier also nie Dinosaurierknochen gefunden - da die letzten vor 66 Millionen Jahren ausgestorben sind. ;)

      2. Island war der letzte Ort in Europa, der besiedelt wurde. Wer sich als Erstes niedergelassen hat und in welchem Jahr genau, ist dabei ein kleines Rätsel. 
        - Es gibt einige Studien und Fünde, die auf die Anwesenheit gälischer Mönche aus Irland hinweisen, bevor die berüchtigten Wikinger eintrafen, scheinbar haben sie sich aber irgendwann doch wieder zurückgezogen. Entweder da sie a) das Land als unbewohnbar/unbestellbar betrachteten und/oder b) sie es nicht mit den ruppigen Norwegern teilen wollten, die nach ihnen ankamen (manche sagen bis zu 200 Jahre später).

        Die ersten aufgezeichneten Siedlungen stammen aus dem Jahr 874, als Ingólfur Arnarson mit der Absicht sich niederzulassen, nach Island segelte. Bei diesem Unterfangen hat er das heutige Reykjavik „gegründet“. 
        - Laut isländischer Geschichte gab es allerdings vorher schon Siedler (Quellen wie Landnámabók - „Buch der Siedler“ und Íslendingabók - „Buch der Isländer“ erzählen davon) Naddodd der Wikinger (ca. 830 n. Chr.) und Gardar der Schwede (ca. 860 n. Chr.) zum Beispiel, von denen man sagt, dass sie vom Sturm von ihrer Route abgetrieben wurden und so versehentlich an den Ufern Islands landeten. Gardar gründete eine kleine Siedlung, bevor er nach Hause segelte - dort soll er drei seiner Gefolgschaft zurückgelassen haben. Tja und dann war da noch Flóki (ca. 868 n. Chr.), der dem Land seinen Namen gegeben haben soll. Er blieb eine Weile hier, kehrte aber schließlich nach Norwegen zurück und erzählte von der neuen Welt, die er gefunden hatte (klingt wie eine TV-Show, die über sechs Staffeln von den Wikingern erzählt hat... ; P)..

      3. Über 60% der Isländer sind nordischer Abstammung, 40% sind größtenteils schottischer oder irischer Herkunft.

      4. Isländer waren übrigens auch die ersten Europäer, die einen Fuß auf Amerika setzten - etwa 500 Jahre vor Columbus 'Geburt. Leifur Eiríksson (eine Statue von ihm steht vor der berühmten Hallgrímskirkja-Kirche in Reykjavik) ließ sich an der nördlichsten Spitze Neufundlands in Kanada, in L’Anse Aux Meadows, nieder. Er nannte das Land Vinland, warum ist nicht geklärt. Wahrscheinlich, weil er dort Trauben gefunden hat, manche glauben allerdings, weil es ein altnordisches Wort für Grasland ist. Es wird gesagt, dass rund 100 Wikinger folgten, um sich niederzulassen - sie scheinen allerdings nicht lange geblieben zu sein. Der verrückte Part ist, dass die Ankunft der Wikinger in Nordamerika früher nur in Sagen erwähnt wurde, bis erst in den 1960er Jahren bewiesen wurde, dass die Geschichten tatsächlich wahr sind. (Wer mehr über dieses Thema erfahren möchten, dies ist ein kurzer Artikel aus einer etablierteren Quelle: https://www.scinexx.de/dossierartikel/die-wahren-entdecker-amerikas/>)

      5. Isländische Sagas sind mittelalterliche Literatur, welche vermutlich im 13. und 14. Jahrhundert geschrieben wurde. Sie beschreiben vor allem Ereignisse unter den isländischen Einwohnern im 10. und 11. Jahrhundert. Vieles davon entstammt der Fantasie, aber wie sich herausstellt, beschreiben einige tatsächlich auch reale Ereignisse. Wer sich für die Sagas interessiert - https://sagadb.org/ (die isländische Saga-Datenbank) - könnte von Interesse sein.

Snowy mountain range in Iceland

      1. Isländer haben keine traditionellen Nachnamen, sondern sind nach dem Vornamen des Vaters (und inzwischen auch der Mutter) benannt. Der Papa von meinem Mann heißt Rúnar, sein Nachname ist also Rúnarson (buchstäblich Rúnars Sohn). :) Wer einen Isländer / eine Isländerin heiratet, kann den Nachnamen also nicht annehmen, da man sonst namentlich zu Tochter oder Sohn der (Schwieger) Mutter oder des Vaters würde. ;) Einige Familien haben allerdings zusätzlich Familiennamen. Üblicherweise, wenn Vorfahren aus beispielsweise Dänemark kamen. Die Familie meines Mannes hat den Familiennamen „Bergmann“, den sie freiwillig ihrem Namen hinzufügen können. :)

      2. Aus diesem Grund ist das Telefonbuch in Island übrigens alphabetisch nach Vornamen sortiert. Absolut jeder wird mit Vornamen angesprochen. Auch der Arzt. Auch der Beamte. JEDER! Sogar der Präsident. Und wo wir gerade vom Präsidenten sprechen:

      3. Die Residenz des Präsidenten kann besucht werden. Und ich meine damit nicht irgendwo von ausserhalb mächtiger Tore. Nein, das Anwesen ist öffentlich begehbar. Theoretisch könnte man sogar an der Tür klingeln. Ich habe ihm einmal die Hand geschüttelt, was zu den eher surrealen Momenten meines Lebens zählt. Ich bin durch das Haus gestreift, habe Häppchen gegessen und Wein getrunken. Zum krönenden Abschluss musste ich dann pischern, in der präsidialen Toilette. Ganz richtig gelesen. Aus einem Land mit 80 Millionen Einwohnern stammend, hat mich das schon ein bisschen umgehauen.

      4. Niemand darf das eigene Kind nach Lust und Laune benennen, jeder neue Name (der zuvor nicht verwendet wurde), muss von einem Benennungsausschuss genehmigt werden.

      5. Es ist übrigens durchaus üblich, Politiker, Musiker und Schauspieler im beispielsweise Supermarkt oder Schwimmbad zu treffen. Ich hab Jonsí beobachtet, wie er in den Bónus geschlurft ist, Damien Rice hat in einem Krims-Krams-Laden in der Schlange hinter mir gewartet, und Björk hat sich in einem Café, in dem ich gerade Bagel gefrühstückt habe, Orangensaft to go geholt. Immerhin mit schwarzer Sonnenbrille als 'Tarnung'. Vielleicht war's aber auch nur der Lässigkeit halber. :) :)

Five different pictures of waterfalls in Iceland during summer

      1. Die isländische Sprache ist absurd schwierig und zählt laut verschiedensten Statistiken zu den am schwersten zu erlernenden Sprachen überhaupt. Einige Beispiele? Vaðlaheiðarvegavinnuverkfærageymsluskúraútidyralyklakippuhringur ist das längste isländische Wort. "Árni á Á á á á beit við á" ist ein allen ernstes ein Satz, der aus irgendeinem Grund auch noch Sinn ergibt. (Bedeutet übersetzt "Árni von Á, der Farm, hat ein Schaf, das an einem Fluss weidet".) Die Sprache hat so einige Wörter, die nicht übersetzt werden können, wie beispielsweise ihre 46 verschiedenen Begriffe für Schnee.

      2. Isländer erfinden zudem Wörter für Objekte, Slang, Erfindungen, die neu auf dem Markt sind - im Gegensatz zu anderen Ländern verwenden sie nicht einfach den Originalbegriff, sondern legen ihre eigenen Ausdrücke/Worte fest. Dafür gibt es ein spezielles Komitee.

      3. Das isländische Alphabet enthält 32 Buchstaben, darunter zwei Buchstaben, die einzigartig isländisch sind und nirgendwo anders auf der Welt verwendet werden: Рund Þ. Letzterer (Thorn) stammt aus den alten Runenalphabeten - wie z.B, dem Futhark. Andere lustige Laute sind Ý und Æ. Buchstaben, die nicht zu finden sind, sind c, q, w und z. Das Y, Æ und Ö sind übrigens Vokale. Einige Vokale werden außerdem mit einem Komma darüber verwendet - was keinen Akzent anzeigt, sondern einen ganz neuen Buchstaben mit anderem Klang bildet - was dann insgesamt 14 Vokale ergibt. Verwirrt? Ich auch! :D

      4. Die isländische Sprache ist alt und hat sich im Laufe der Jahrhunderte nicht wesentlich verändert. Das bedeutet, dass viele Isländer hunderte Jahre alte Texte der Wikinger lesen können, die aus der Zeit stammen, als das Land zum ersten Mal besiedelt wurde.

      5. Ach, und sie sprechen auch beim Einatmen. Viel Spaß beim Ausprobieren. : D.

      6. Zur Grammatik… die Grammatik ist genauso alt wie das Alphabet und hat einige Macken für sich. Isländer haben nicht nur Fälle, Geschlechter und Zahlen für ihre Substantive, sondern auch für ihre Verben und Adjektive...

- Um es mit einer persönlichen Note zusammenzufassen: Mein Isländisch ist im Grunde noch immer nicht vorhanden.

Photo collage of some favorite places and moments in Iceland like Dyrhólaey black sand beach, a cave in south Iceland, a lighthouse during sunrise on Reykjanes and polar stratospheric clouds

        1. Island als Reiseziel ist teuer! Währung ist die isländische Krone (ISK) und kann grob zu 1€ = 150 ISK umgerechnet werden. Es ist die einzige akzeptierte Währung im Land. Island gehört zu den teuersten Reiseländern - derzeit die Nummer vier im internationalen Ranking. Hotels sind teuer, Restaurants und Touren ebenso. Die Preise im Supermarkt variieren und halten die ein oder andere Überraschung bereit. Hygieneprodukte für Frauen sind supergünstig, so auch absurde Dinge wie Apfelmuß. Käse und Tomaten hingegen reissen ein Loch in die Urlaubskasse. : D Ein einfaches Sandwich an der Tankstelle kostet 8-10€. Wer in der Hauptstadt in einem (ungezwungenen, nicht feinen) Restaurant essen geht, kann locker bis zu 100€ für zwei Personen einplanen (Trinkgeld ist inklusive). Ein einfacher Cappuccino ist teurer als in Metropolen wie Paris und London. Und vergessen wir nicht den lieben Alkohol - die Preise haben noch jeden Urlauber aus den Socken gehauen. Ein Bier kostet lässige 10€. Die Happy Hour ist daher der Isländer liebste Stunde. ;D Das die meisten Waren importiert werden müssen, bedeutet natürlich auch, dass sie möglicherweise nicht so frisch sind, wie von Zuhause gewohnt (das gilt hauptsächlich für Obst). Island hat übrigens eine unglaubliche große Auswahl an veganen Produkten.

        2. Was also kostet denn nun eine Reise nach Island? Das ist unterschiedlich - günstig aber in keinem Fall. Ich habe während meiner Recherche verschiedenste Statistiken zu diesem Thema gefunden, unterm Strich kann mit Sicherheit gesagt werden, dass die Verbraucherpreise in Island weit über 50% höher sind, als im übrigen Europa. Nicht weil Island versucht, Touristen abzuzocken, sondern weil es eine winzige Insel ist, weit ab vom Schuss, nahe dem Polarkreis. Das bedeutet eben, dass fast alles importiert werden muss. Die Produktmengen bei den Warengruppen, die nicht importiert werden, sondern regional hergestellt, decken nicht einmal 70% der Bevölkerung ab - und auf keinen Fall 2 Millionen Touristen on top. Je mehr Touristen, desto größer der Wettbewerb bei der geringen Anzahl von Produkten, desto höher die Preise. Die Landwirtschaft in Island ist außerdem streng reguliert, aber ich werde jetzt niemanden mit ausschweifenden Details langweilen.

        3. Bei bestimmten Artikeln ist der Import limitiert, was bedeutet, dass nur begrenzte Mengen verfügbar sind. Was aus dem Ausland kommt bedeutet hohe Importsteuern und Frachtgebühren. Zusätzlich ist die Krone trotz der Bankenkrise im Jahr 2008 eine starke Währung - was bedeutet, dass die Wechselkurse häufig zugunsten der Krone ausfallen.

        4. Darüber hinaus hat Island eine Mehrwertsteuer von 24%. (Die Mehrwertsteuer können Touristen sich allerdings am Flughafen zurückerstatten lassen!) Seien wir ehrlich, Island zählt beim Preisniveau zur selben Riege wie Schweiz und Norwegen - Reisen in das Land aus Feuer und Eis können mit einem kleinen Budget eine echte Herausforderung darstellen. ((Hier geht's zu meinem Artikel mit Spartipps rund um die Islandreise. // coming soon)

Cliffs near Grindavík in Iceland covered in snow

    1. Wie teuer ist das Leben in Island? Es ist nicht schwer zu erraten - hier zu leben ist auch nicht gerade günstig. Das Leben in Island ist tatsächlich teurer als in 95% aller Länder auf diesem Planeten. Die Miete mal aussen vor gelassen, beträgt der durchschnittliche monatliche Bedarf für eine einzelne Person etwa 900 - 1.000€ für Lebensmittel, Ärzte, Transport und Kommunikation.
    • MIETE: Sagen wir es mal so: Die Miete für ein Apartment in der Innenstadt von Reykjavik (wir sprechen von 30m²) ist teurer als in München, Paris oder Tokio und vergleichbar mit London. Das bedeutet, dass locker 1.200€ pro Monat für die Miete angesetzt werden können. In den Außenbezirken lässt sich vielleicht was für um die 1000€ finden, und wer bereit ist, sich ein Badezimmer zu teilen, könnte mit 600-700€ Glück haben. Die Mieten auf dem Land sind wesentlich günstiger.
    • IMMOBILIEN: Monatliche Hypotheken sind definitiv günstiger als Mieten, ABER wer kaufen möchte, muss 20% im Voraus aufbringen (es werden keine 100% Kredite vergeben). Danach belaufen sich die monatlichen Kosten auf irgendwo zwischen 700€ - 1000€ (oder auch mehr, das hängt natürlich massiv vom Immobilienpreis ab!). In jedem Fall ist es bis zu 50% günstiger als die Anmietung einer ähnlichen Immobilie. Wer die 20% nicht aufbringen kann, hat die Möglichkeit, ein zusätzliches Darlehen aufnehmen, das allerdings wesentlich schneller abbezahlt werden muss. Das erhöht dann die monatlichen Kosten wieder. In Island können nur Staatsbürger oder Menschen mit legalem Wohnsitz im Land eine Immobilie kaufen.
    • NEBENKOSTEN: Eines der ganz wenigen Dinge, bei denen in Island tatsächlich von günstig gesprochen werden kann. Strom, Internet, Heizung und Wasser sind aufgrund der geothermischen Quellen und der Wasserkraft preiswert. 85% der isländischen Energie ist erneuerbar - mehr dazu dann bald im nächsten Segment dieser Serie. Für ein 85 m² großes Haus können so 80€ angesetzt werden. Im Mehrfamilienhaus wird geteilt, was extrem niedrige Kosten (und sehr lange, heiße Duschen) bedeutet.
    • LEBENSMITTEL: Siehe oben! Wie bereits erwähnt, sind die Einfuhrgebühren hoch, die Lebensmittelpreise dementsprechend ebenso. Tatsächlich fließt ein Großteil unseres (persönlichen) Einkommens in Lebensmittel, da wir qualitativ hochwertigere Produkte und aus dem Bioladen, bzw. der Bio-Abteilung kaufen. Wir landen normalerweise irgendwo bei 150.000 ISK, was mindestens (!) ein Drittel (eher das Doppelte) mehr ist als das, was ich früher in Deutschland ausgegeben habe. Natürlich spielen unsere Ernährungsbedürfnisse und -wünsche hier eine große Rolle, da die meisten veganen und gesunden / cleanen Waren teurer sind. (Obwohl veganer Fleischersatz viel (!) günstiger ist als echtes Fleisch, denn das ist in Island ebenfalls sehr teuer!)
    • SONSTIGES: Öffentliche Verkehrsmittel (Island hat keinerlei Züge oder U-Bahnen, die einzigen öffentlichen Verkehrsmittel sind Busse) sind preislich in Ordnung. Die Anschaffung eines Autos geht dafür so richtig ins Geld (ebenfalls aufgrund der Importgebühren). Benzin kostet rund 1,30€ pro Liter. Ein Kinobesuch kostet 10€. Bevor ich jetzt aber die Kosten für alles, was man unternehmen/kaufen kann, akribisch aufliste, verlinke ich besser die folgende Webseite, die im Grunde alles anführt, was von Interesse sein könnte: https://www.numbeo.com/cost-of-living/country_result.jsp?country=Iceland 

Photo collage of Iceland photos with waterfalls, turf houses, sunrises, lighthouses and more

      1. Reden wir in diesem Zuge doch direkt auch mal über die isländischen Gehälter! Natürlich muss es für Isländer irgendwie möglich sein, in Island zu leben - das liegt an ihren hohen Gehältern. Zum Beispiel liegt das Mindestgehalt für allgemeine Arbeit bei etwa 2.000€ pro Monat. Im Vergleich zu Deutschland ist das wahnsinnig hoch. Ein Arbeiter mit spezifischer Ausbildung verdient ungefähr 3.500€ pro Monat und ein Spezialist ungefähr 6.000€ pro Monat. Natürlich sind dies absolute Durchschnittswerte, aber sie geben einen ungefähren Einblick - Managerpositionen mal aussen vor gelassen. Über 90% aller Arbeitnehmer gehören verschiedenen Gewerkschaften an und genießen daher höhere Löhne und verschiedene Extras - wie zum Beispiel super günstige Sommerhäuser, die das Jahr über gebucht werden können. Die Steuer ist an das Einkommen gebunden und beginnt bei ca. 37%, alle höheren Einkommen werden mit etwas mehr als 45% besteuert. Natürlich ist das Steuersystem komplexer als das, aber ich gehe davon aus, dass niemand hier ist, um jetzt über isländisches Steuerrecht im Detail zu lesen. : D.

      2. Isländer arbeiten 43,5 Stunden pro Woche - und haben damit die längste Arbeitswoche in Europa. Viele Isländer haben zwei Jobs oder betreiben ihre Hobbys in/als Nebenjobs.

      3. In Island braucht man übrigens absolut kein Bargeld. Absolut überall werden Karten akzeptiert, von der Eck-Bäckerei bis zum Zuckerwattenstand auf dem Stadtfest oder bei dem kleinsten Geschäft in der am dünnsten besiedelten Ecke des Landes.

So, genug für heute! Ich hoffe, es waren ein paar interessante Fakten dabei und/oder ich konnte die ein oder andere offene Frage beantworten. Der nächste Teil dieser kleinen Reihe befasst sich mit isländischer Politik und Umweltfragen, was ich persönlich super interessant finde, da Island auch in diesen Belangen ein ganz besonderes Land ist (meist auf sehr sehr positive Weise). Ich gebe auf meinen Social Media Kanälen Bescheid, wenn der zweite Teil online geht. Instagram / Facebook / Pinterest.

Bless bless, 

PS: Ich habe umfangreiche Recherche betrieben, um so genaue Informationen wie möglich bereitzustellen. Ein Großteil stammt aus persönlicher Erfahrung, aber ich habe mich zudem durch Regierungsartikel, statistische Websites und Nachrichtenagenturen gewühlt. Ich behaupte dennoch nicht, dass alle Fakten zu 100% korrekt und aktuell sind (Meines Wissens nach sind sie das, aber ich kann mich sicher auch mal irren). Wer Informationen findet, die veraltet sind, etwas hinzufügen möchte oder weitere Fragen hat, wendet sich gern an mich, entweder per Email oder mit Hinterlassen eines Kommentares! :)